Heute fanden die Sitzungen des Konzils und des Akademischen Senats statt. In der Konzilssitzung ging es um den Rechenschaftsbericht des Präsidiums; spannend wurde es dann aber erst richtig im Akademischen Senat, dem über 100 Studierende beiwohnten.
Erster Tagesordnungspunkt waren die Forderungen des bundesweiten Bildungsstreiks mit den 4 Überpunkten soziale Öffnung der Hochschulen, Abschaffung des BA/MA-Systems in seiner bisherigen Form, Demokratisierung der Hochschulen und Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen sowie die auf der Vollversammlung beschlossenen Forderungen für die HU. Beiden umfangeichenen Forderungskatalogen wollte die Professorenmehrheit des AS nicht pauschal zustimmen. Mathematik-Professor Griewank sagte dazu treffenderweise: „Eine Zustimmung wäre heuchlerisch, weil wir damit unsere gesamte bisherige Politik umkehren müssten.“ Nichtsdestotrotz wurde danach eine Erklärung beschlossen, die besagte, dass der AS die Kernforderungen der Studierenden im Rahmen des Bildungsstreiks unterstützte. Diese wurde später durch einen ausführlicheren Text ersetzt, in dem es heißt, dass sich alle Statusgruppen der Universität mit dem Ziel zusammensetzen sollen, die Studiensituation in den Bachelor und Master-Studiengängen zu verbessern.
Anschließend wurde es konkreter; es ging um 4 formulierte Anträge der Studierenden, die am Montag auf der VV beschlossen wurden.
1. „Die Abschaffung von Funktionsstörungsattesten“ wurde einstimmig angenommen! Hier geht es um die Praxis das Studierende Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbinden sollen, damit diese bei Versäumen einer Prüfung dem Prüfungsamt genaue Symptome mitteilen können.
2. „Der Akademische Senat findet es wünschenswert Anwesenheitslisten abzuschaffen. Dies soll in einer verfassungs- und geschäftsordnungskonformen Form bis zum Wintersemester 2009/10 geschehen.“ Der Antrag musste in dieser Weise umformuliert werden, weil der Senat es nicht direkt beschließen kann, da hierfür die Allgemeinen Studien- und Prüfungsordnungen umformuliert werden müssen. Auch dieser Antrag wurde angenommen, mit 12 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen.
3. „Der Akademische Senat beschließt die Überarbeitung aller BA/MA-Studiengänge bis zum WS 2010/11, bei denen dies rechtlich möglich ist und drängt bei jenen, wo dies nicht der Fall ist auf Veränderung (z.B. Lehramt). Die Überarbeitung geschieht unter folgenden Maßgaben:
Reduzierung des Workloads (bei 2 Enthaltungen)
verbesserte Studierbarkeit (einstimmig)
Einführung eines Moduls (mind. 10 SP) „Wahlfreiheit“ (Studium genarale) in allen Studienfächern (9 Ja-, 6 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen). Umgesetzt werden soll dies in Kommissionen in den Instituten, die zur Hälfte mit Studierenden besetzt sind, sofern solche entsprechenden Gremien noch nicht vorhanden sind.
Überprüfung der Prüfungsmodalitäten (einstimmig)
4. Der einzig negativ beschiedene Antrag sah das Vorhalten von 50 Master-Plätzen für 50 Bachelor-Plätze vor, also die Garantie eines sicheren Masterplatzes für alle BachelorabsolventInnen. Es wurde argumentiert, dass dafür weniger Bachelor-Plätze angeboten werden müssten, daher ist der Antrag bei Zustimmung der 3 Stimmen durch die StudierendenverteterInnen abgelehnt worden.
Insgesamt ist heute ein riesiger Erfolg gelungen. Der Streik hat Eindruck hinterlassen und die Form konkrete Anträge durch die studentischen VertreterInnen in die Gremien zu tragen (mit dem Rückhalt der VV-Beschlüsse und der Anwesenheit so vieler Studierender) ist voll aufgegangen.
Am 7. Juli um 9 Uhr im Senatssaal wird das Konzil wieder tagen und im Anschluss daran oder innerhalb des Konzils wird sich der AS oder eben das Konzil mit den bundesweiten und berliner Forderungen des Bildungsstreiks auseinandersetzen. Ebenfalls wird die Exzellenz-Initiative zur Debatte stehen.
Der Tagesspiegel war auch in der Sitzung und hat diesen Artikel veröffentlicht.